Komm lass uns gehen, sagte er.

Ich möchte später nachsehen, sagte sie,
was wir gemacht haben,
was sich gezeigt haben wird.
Zu zweit werden wir einen Raum geteilt haben,
sagte er.

Zwei rechteckige Brotscheiben, sagte er,
nebeneinander liegend, mit unterschiedlichem Aufstrich,
und je einer Scheibe Hofdammer Käse belegt,
durch dessen kleine Löcher sich der verschiedenfarbige Belag
von unten durchdrückt.
Zwei, sagte er, in einem Raum.

Ach nein, sagte sie.
Nur eine einzelne Brotscheibe, die mit beiden Händen
in zwei etwa gleich große Stücke gebrochen wird.
Die zwei, sagte sie, kann das Eine in etwas Drittes teilen.
Ich möchte ja, sagte sie, hier durch dich
von mir selbst Abstand nehmen können.
Warum,
fragte sie, droht die ganze Sache immer wieder schief zu laufen,
an dieser Stelle,
ich weiß hier einfach nicht mehr weiter.

Ich wünsche mir, sagte er, einen anderen Menschen herbei,
in meine Grabstätte, in meine Bilder:
Eine Grabstatt für zwei, um sich gemeinsam niederzulegen.

Zu Grunde gehen, zum Grunde gehen,
auf den Grund gehen, sagte sie, immer am Wundrand entlang.
Eine Stätte graben,
direkt ins Unmögliche hinein steuern, so dass die Aufklärung
der ganzen Sache versagt bleiben wird.
Ein Caput-Mortuum-Zustand, mit Händen und Füßen beschäftigt,
sagte sie, und immer am Wundrand entlang.

Die vielen Grautöne in meinem Kopf,
in meiner Schädelstätte, sagte er.
Und das, worum es geht, läßt sich ja nicht aussprechen, sagte er.
Ach, wie die Maden unter der Erde schuften, sagte sie.
Golgatha chromatisch, sagte sie.
ein Band aus Tönen, Tonband,
violettstichiges Rot.

Eine Trauer, sagte er, die langsam weiß wird, und
schwarze Freude
in Öl gepinselt, ein empfindlicher Aufenthalt.
Etwas, das von sehr tief und fern her von Lachen geschüttelt wird,
sagte er.
Caput-Mortuum-Zustand, sagte sie. Uralt.
Ins Leben sterben, um allmählich in den Rücken der
Zeit einwachsen zu können, sagte sie.
Ein Lachen - Weinen,
wie als Kind, diesem Traum auf der Spur.

Schiere Existenz, sagte er,
empfindlicher Aufenthalt.

Ich möchte nachsehen, was wir gemacht haben, sagte sie,
was sich gezeigt haben wird.
Können wir, fragte er, fragte sie,
beim Nachschauen gleichzeitig
drinnen und draußen sein, in der eigenen
fremden Erfindung?

Und dann
wieder so ein neuer Anfang.
Ein neues Wort, sagte er, Schrägblick,
Schieflage
und so weiter.




© Karin Schlechter
Komm, lass uns gehen
Audioinstallation, Turm der Lutherkirche Köln; 2013
Text: Karin Schlechter 
Raum: Klaus Findl