Karin Schlechter
'Den Tag an den Rand der Nacht rücken und in dieser Grenze gehn'
Kirchenraum Sankt Helena, Bonn
Raum- und Videoinstallation, 2012
Altar, mit 5 Spiegeln umbaut
Holzplatten und Spiegel, Maße 152x178x178 cm, Video (loop)
© Karin Schlechter
© Fotos: Jane Dunker
zeitfalten
notieren zu notizen
zeit als raum schaffen eine zeit als
schattierung
viel fältig aber mehr unmittelbarer
raum
gerade nicht vermittelt neu entdeckt
mich dort hin begeben
ohne gewusst zu haben dass es
ihn je gab je geben könnte
kann ich
dort evidenz haben
wie andere auch
in solch nie gespürter raumzeit
(Dieter Loos, 2012)
Ein Gedicht zum Raum von Karin Schlechter
(Aus meinen Notizen zum Ausstellungsprojekt)
Wie kann man denn den Tag an den Rand der Nacht rücken ?
Das geht doch gar nicht.
Zunächst gibt es meinen Wunsch, etwas weg zu nehmen:
Und zwar die visuelle Stütze dafür, das Abwesende, den Abwesenden sehen zu wollen.
Den Kirchenraum, in dem nur noch ein geweihter Altar aus weißem Marmor steht,
nicht leer machen, sondern versuchen, ihn verlassen zu machen.
Wie kann das gehen?
Muss ich versuchen, das zentrale Objekt im Raum, den Opfertisch selbst
zu opfern, um zugleich diese Stelle da sein zu lassen?
Vielleicht kann ich die Zentrale des Raumes verschließen, um von ihr
eine andere, neue Öffnung kommen zu lassen.
Versuch:
Den Altar rund herum mit Spiegelglas umbauen.
Dann das Spiegelobjekt um etwa 30 Grad herausdrehen, aus seiner Raumachse.
Es also ein klein wenig verrückt da stehen lassen.
Der Raum blickt mich schräge aus den Spiegeln an.
Kann dieser Platz zu einem Ort werden, der Träger einer anderen,
erneuerten Evidenz sein kann ?